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22.02.2019, 14:11 Uhr
Webereigelände als demografiegerechter Stadtteil
Förderantrag zu „Sozialkaufhaus“ mit Tafel, Kleiderkammer und Beratungsstellen
Es ist an der Zeit, endlich Ideen und Umsetzungsvorschläge für das Webereigelände in Ay zu erarbeiten. Dazu möchte ich in den kommenden Wochen und Monaten einen neuen Vorstoß starten. Ein Teil dieses Vorstoßes gilt es am kommenden Dienstag im Stadtrat zu beraten. Dort schlagen die Verwaltung und ich vor, ein qualifiziertes Stadtumbaumanagement für das Webereigelände einzusetzen und gleichzeitig für die Planung und mögliche Realisierung eines „Sozialkaufhauses“ mit Tafel, Kleiderkammer und verschiedenen Beratungsstellen einen Förderantrag zu stellen. Dazu gibt es derzeit ein spezielles Förderprogramm, auf das sich die Stadt Senden meiner Meinung nach bewerben sollte. Dieser Vorstoß soll zugleich Gedankenanstoß sein für die Idee, auf dem Webereigelände einen demografiegerechten Stadtteil in Senden zu entwickeln. Demografiegerecht und mit einer Alters- und Sozialdurchmischung. Dies könnte ein interessanter Denkansatz für die Stadtentwicklung sein.
Gleichzeitig greift diese Idee bestehende und geplante Strukturen auf dem Webereigelände auf. Der Seniorentreff und die zahlreich darin stattfindenden Angebote bieten Anlaufstelle für die ältere Generation. In den kommenden Monaten entsteht eine Kindertageseinrichtung und damit eine Anlaufstelle für junge Familien. Ergänzt um das „Sozialkaufhaus“, Beratungsstellen und eine Kombination aus weiteren Angeboten sowie Arbeiten und Wohnen bietet die Fläche ausreichend Potential für ein interessantes Stadtentwicklungskonzept – den demografiegerechten Stadtteil Webereigelände.
Ideen gibt es einige, Wünsche viele, gesprochen wurde viel in den vergangenen über 20 Jahren. Passiert ist aber leider viel zu wenig. Das Ergebnis: Brachflächen und ein verfallenes Denkmal. Für beides trägt die Stadt Senden Verantwortung. Für beides müssen wir gemeinsam Lösungsideen sammeln.
Daher der erneute Vorschlag der Einsetzung eines qualifizierten Stadtumbaumanagements. Diesen Vorschlag habe ich schon einmal – auf Anraten der Regierung von Schwaben – in den Stadtrat eingebracht. Leider wurde es damals abgelehnt. Aufgrund der Komplexität des ganzen Themas sollten wir uns diese Unterstützung aber von außen holen. Damit bekommen wir personelle, vor allem fachliche Unterstützung. Diese wird über das integrierte Stadtentwicklungskonzept gefördert.
Kritiker werden jetzt - wie bei der letzten Ablehnung – anbringen, das es bei der Stadt keine Personalkapazitäten für dieses Projekt gibt. Gleichzeitig wurde ein Gutachten zur Prüfung der Bausubstanz der Webereihalle beschlossen. Aber auch dafür wird betreuendes Personal gebraucht. Also warum nicht gleich mit einem Stadtumbaumanagement, unter Begleitung der Stadt Senden, ein Entwicklungskonzept für das Webereigelände erarbeiten. Der Mehraufwand mag höher sein, das Zeitfenster länger dauern. Dafür wären auch umfassendere Ergebnisse möglich. Lösungsvorschläge ob oder besser wieviel von der denkmalgeschützten Webereihalle erhalten bleiben kann, Erarbeitung von Nutzungsideen und Finanzierungsplanung für das gesamte Gelände, Entwicklung eines städtebaulichen Konzeptes für die Fläche.
Ja, dies alles kostet Zeit, Energie und Geld. Aber die Fläche hat es verdient, endlich geplant und entwickelt zu werden. Genau deshalb mein neuer Vorstoß. Denn ein demografiegerechter Stadtteil wäre ein wichtiger Entwicklungsschritt. Wohnraum kann geschaffen werden, dieser wird auch dringend benötigt. Und es können soziale Anlaufstellen geschaffen werden.
Deshalb mein neuer Vorstoß, das Webereigelände endlich zu entwickeln. Ich freue mich auf die Diskussion und die vielen Gespräche auf dem Weg dorthin. Ein erste Schritt ist getan, viele weitere müssen folgen. 
Wer mehr zum „Sozialkaufhaus“ und den Beratungsstellen wissen möchte, findet eine erste Konzeptidee im folgenden. Diesen stelle ich am Dienstag im Stadtrat zur Diskussion und würde mich über eine Unterstützung freuen.
 
Projektidee/ Förderantrag: Ein demografiegerechter Stadtteil entsteht auf einer historischen städtischen Fläche:
Hier: Beratungsangebote und ein Sozialkaufhaus barrierefrei und zentral für verschiedene Ziel- und Altersgruppen aus der Stadt Senden.
Die hinter diesem Projekt stehende Idee ist, eine Anlaufstelle für verschiedene Ratsuchende zu schaffen. Dadurch sollen Hürden genommen werden, Unterstützung anzunehmen. Die verschiedenen Personengruppen nutzen einen gemeinsamen Eingang und sind dadurch relativ anonym und keiner Beratungsstelle zuordbar. Gleichzeitig soll eine integrale Leistung von verschiedenen Angeboten durch die räumliche Nähe der Beratungsstellen ermöglicht werden.
Aus der Erfahrung zeigt sich, dass es sich häufig um deckungsgleiches bzw. sehr nahestehendes Klientel der verschiedenen Beratungsangebote handelt. Daher bietet sich eine Zusammenfassung der Angebote an einer zentralen Stelle der Stadt an.
 
Kurzbeschreibung des Projektes: In einem neu zu planenden und realisierenden Projekt sollen verschiedene Beratungsangebote der Stadt Senden und freier Träger zusammengefasst werden. So sollen die bestehende Tafel der Stadt Senden, die Kleiderkammer der KAB, Wohnraumprävention- und Obdachlosenbetreuung durch Diakonie Neu-Ulm, Caritasverband Günzburg, Stadt Senden, Drogenberatung der Diakonie Neu-Ulm, Bewährungshilfe durch das Amtsgericht Neu-Ulm, weitere bestehende Beratungsangebote, Volkshochschule im Landkreis Neu-Ulm, Schwangerschaftskonfliktberatung durch Donum Vitae in einer Einrichtung zusammengefasst werden. Hinzu könnten noch weitere Beratungsangebote durch das Jobcenter im Landkreis Neu-Ulm oder ähnliches kommen. Senioren und ältere Personen können das Gebäude barrierefrei nutzen. Weitere Angebote können in dieses Konzept aufgenommen werden und sollen im Laufe des Planungsprozesses konkret angedacht und angesprochen werden. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass auch jüngere Altersgruppen mit ihren Fragestellungen eine Anlaufstelle bekommen.
 
Einbindung des Projektes in einen Stadtteil-/ Stadtentwicklungsprozess: Die Gesamtfläche, an der dieses Projekt entstehen soll befindet sich im Eigentum der Stadt Senden. Hier wurde bis in die 1990er Jahre in einer Weberei Textilprojekte verarbeitet. Anschließend wurde die Fläche durch die Kommune erworben. Seitdem hat sich in den vergangenen 10 Jahren ein selbstverwalteter Seniorentreff mit zahlreichen Angeboten für Senioren der Stadt Senden entwickelt. Dieser wird sehr gut angenommen. Hinzu ist auch das Angebot der Volkshochschule im Landkreis Neu-Ulm gekommen.
Aktuell wird auf dieser Fläche eine Kindertageseinrichtung mit fünf Kindergartengruppen und vier Krippengruppen geplant. Diese soll im Jahr 2020 in Betrieb gehen.
Durch die Einrichtung der neuen Anlaufstelle für Beratungsgebote könnten auf dem Gelände Räumlichkeiten für das zur Zeit im Rathaus bestehende Jugendcafe der Stadt Senden frei werden, dadurch wäre eine Verlagerung auf dieses Gelände möglich.
Durch die Zusammenfassung bzw. Entwicklung der bestehenden Angebote würde auf dem Webereigelände eine zentrale, niederschwellige Anlaufstelle für Ratsuchende entstehen. Diese aber nicht an einer exponierten Stelle die das Unterstützung suchen erschwert, sondern integriert in bestehende Angebote für Senioren und zur Kinderbetreuung. Dadurch entsteht das Projekt „Hilfe für alle Generationen“ an einem Ort. Durch die Auswahl des Standortes ergibt sich sowohl die Quartiersentwicklung für einen neuen 60.000 Quadratmeter großen Stadtteil. Gleichzeitig ist durch die zentrale Lage in der Stadt Senden auch eine gesamtstädtische Versorgung möglich.
 
Weiteres Vorgehen: Im integrierten Stadtentwicklungskonzept wird das Weberei-Areal im Maßnahmenkonzept unter Punkt 4.1 aufgeführt. Dort heißt es: „Durch die integrierte Lage im Stadtgebiet bietet das Areal der ehemaligen Weberei gute Bedingungen der Wohnflächenentwicklung [………] Eine gute ÖPNV-Anbindung… machen das Gebiet für eine Vielzahl von Nutzergruppen interessant. Auch kann durch die Entwicklung des Areals durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Die Entwicklung kultureller Nutzungen und Freizeitnutzungen……Angebote für Jugendliche (Jugendcafé) und ein Stadtteilplatz im Bereich der öffentlichen Nutzungen (Seniorentreff, Jugendcafé)… können das Gebiet nicht nur für Bewohner des Quartiers, sondern für alle Einwohner Sendens attraktiv gestalten.“ (S. 127) Außerdem wurde dieses Projekt im Rahmen der Stadtratswerkstatt als wichtiges Impulsprojekt definiert.
 
Dieser Impuls soll mit der Projektidee aufgegriffen werden. Im nächsten Schritt soll unter Einbindung aller möglichen Projektpartner diese Idee weiterentwickelt werden und eine Planung für dieses Gebäude entwickelt werden. Gleichzeitig soll über eine Befragung von Senioren der weitere Bedarf von Angeboten festgestellt werden. Ebenso ist eine Befragung der Jugendlichen in der Stadt Senden geplant. Über eine Masterthesis einer Studentin zur Entwicklung des Webereigeländes werden weitere Befragungen in den kommenden Wochen erfolgen. Die Ergebnisse dieses Prozesses sollen dann in einem Projektentwurf für das Gebäude und die anschließende Realisierung einfließen. Dabei ist die Gesamtentwicklung des Geländes in seiner gesamten Größe zu berücksichtigen. Dabei seien nur die Beispiele Wohnen, Arbeiten, soziale Begegnungen benannt.
 
Eine Finanzplanung kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht näher definiert werden. Diese ergibt  sich aus dem nun folgenden Planungsprozess. Daher könnte eine zweistufige Förderung hilfreich sein.
1. Planung- und Konzeptionierung in 2019 (Förderung)
2. Realisierung ab 2020 (Förderung)
Vielleicht kann auch ein Teil dieser Schritte zusammengefasst werden. Dies sollte auf Basis dieser Projektskizze in Gesprächen mit der Städtebauförderung geklärt werden.